Der Biergarten ist so voll, dass die Leute schon bis nach draußen anstehen, um einen Platz zu ergattern. Sobald es absehbar ist, dass sich sitzende Gäste bald zum Gehen bewegen, gibt es ein Gerangel und Geschubse in der wartenden Menschentraube. Jeder will sich nach vorne drängen, um den bald frei werdenden Tisch für sich und seine Begleitung zu ergattern – oder ihn zumindest als besetzt zu markieren. Die ganz Mutigen unter ihnen setzen sich einfach an einen besetzten Tisch und lächeln frech in die verblüffte Runde. Der Lärmpegel ist enorm, man muss laut sprechen, um sich zu verständigen. Das kalte Bier schmeckt fabelhaft, die trockene Sommerkehle lechzt nach mehr.

Am Stammtisch neben uns wird seit ein paar Minuten hitzig über die Legalisierung der Homo-Ehe diskutiert. Alte Männer mit Schnauzbart verkünden lautstark ihre Meinung. Ich erwische fadenscheinige Satzfetzen wie „Schweinerei“, „Gefährdung der Ehe und Familie“ oder „eine Schande für die Kinder“. Verschämt blicke ich in mein Bierglas und schüttle den Kopf.download full film Girls Trip

Mein Blick schweift in die andere Richtung und bleibt am Nachbartisch hängen. Dort sitzen zwei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Der eine hat blonde, kurze Haare und einen struppigen Schnauzbart, der seinen ganzen Mund verdeckt. Trotz seiner kleinen Statur ist er stämmig gebaut. Er trägt ein schwarzes Muskelshirt und eine knallrote Hose. Das breite Gesicht des anderen wird von zwei langen, geflochtenen Zöpfen umrahmt. Dieselbe Farbe wie sein dickes, rotes Haar hat auch sein Schnurrbart. Er wirkt wie aus einer anderen Zeit mit seinen muskulösen, nackten Oberarmen und seiner seltsamen blau-weiß gestreiften Hose, die bis zu seiner Brust reicht und unter seinem ausladenden Bauch mit einem Gürtel zusammengeschnallt ist. Seine Schnurrbartspitzen wackeln nach oben und unten wenn er lacht.

Immer wieder beugen sich die beiden über ihre halbvollen Biergläser aufeinander zu. Sie sprechen in säuselndem Ton miteinander und blicken sich lange in die Augen, bevor sie nervös kichern. Wenn sich ihre prankigen Hände wie aus Versehen berühren, ist es, als ob sie von einem Stromschlag getroffen wurden.

Während die Diskussion am Nebentisch unerwartet lauter wird, erinnere ich mich wieder an meine unangenehmen Sichtznachbarn zu linker Seite. Ich blicke verstohlen aus den Augenwinkeln hinüber und erkenne erschreckt, dass die Gruppe anscheinend auf das Pärchen aufmerksam geworden ist. Sie zeigen mit den Fingern auf sie und ein Älterer spuckt an meinem Rücken vorbei vor den Tisch des Blonden und des Rothaarigen.

Die beiden Männer lehnen sich seelenruhig nach hinten und grinsen. Sie nicken sich kurz gegenseitig zu, stehen auf und küssen sich innig. Die Stammtischmeute johlt und pfeift, einer schimpft, ein anderer schmeißt vor Aufregung sein Bier um. Der kleine Blonde und der große Rothaarige packen ihre Sachen zusammen, nehmen sich an den Händen und wenden sich zum Gehen. Plötzlich bleiben sie noch einmal stehen und drehen sich um, ich ziehe den Kopf sicherheitshalber ein, doch der Rothaarige pfeift nur kurz und laut und ein kleiner, weißer Hund dessen Ohren und Schwanzspitze wie in schwarze Tinte getunkt aussehen, prescht freudig kläffend und mit dem Schwanz wedelnd voraus.

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