Interview Kinga Bartczak

Liebe Kinga, meine Leser kennen dich vielleicht durch deinen Blog FemalExperts – Der Businessblog für Frauen mit Ambitionen. Du bist dazu auch als Geschäftsführerin der UnternehmerRebellen und unter deinem eigenen Namen tätig. Beschreibe uns doch bitte mal genauer, was du für wen anbietest und wo deine Schwerpunkte liegen, damit wir uns ein besseres Bild von dir machen können.

Liebe Jana, herzlichen Dank für deine Einladung! 

Ich habe 2014 als Business Bloggerin (FemalExperts) meine Reise begonnen und bin nun hauptsächlich als Female Empowerment & Business Coach für weibliche Fach- und Führungskräfte bekannt. Ich unterstütze in dieser Funktion Frauen auf ihrem Weg zum beruflichen und unternehmerischen Erfolg, denn das Thema „Female Empowerment“ betrachte ich als meine persönliche Berufung.

Da die berühmte „Medaille“ bekanntlich jedoch zwei Seiten hat, möchte ich auch bei den Unternehmen selbst zu einem Wandel beitragen. Aus diesem Grund habe ich gemeinsam mit meinem Lebens- und Businesspartner Dennis Jantsch die UnternehmerRebellen GmbH gegründet.  

Unsere Vision ist es, dass wir aus Teilnehmenden Beteiligte machen und hierdurch eine Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmer*innen und Unternehmen auf Augenhöhe schaffen.

Konkret bedeutet das: Wir bieten Beratung, Coaching und Workshops an, welche durch eine Kombination aus Wissenstransfer, Methodenkompetenz und Erfahrung eine weitreichende Veränderung im Rahmen der Organisation bewirken.

Unser Fokus liegt hierbei auf dem Innovationsmanagement, der Organisationsentwicklung sowie der Entwicklung einer starken Unternehmensvision.

Für all meine Leser, die sich noch nicht so gut mit dem Thema auskennen, kannst du uns den Begriff „Female Empowerment“ noch mehr beschreiben? Was bedeutet das eigentlich genau?

Es gibt viele offizielle Definitionen im Hinblick auf die Begrifflichkeiten „Female Empowerment“ oder „Women Empowerment“. Für mich persönlich bedeutet es, die Selbstwirksamkeit aller Frauen (und Mädchen) weltweit zu fördern und zu stärken.

Hierbei eröffnet sich eine Vielfalt an Bereichen, die von Rechtssicherheit, Bildungschancen, beruflicher Gleichbehandlung, bis hin zur finanziellen Unabhängigkeit reichen und noch weit darüber hinaus gehen.

Ich fokussiere mich als Female Empowerment- und Business Coach speziell auf die Themen: Female Leadership, Female Business und Female Entrepreneurship. 

Female Empowerment heißt für mich an dieser Stelle nicht, dass Frauen eine besondere Art der Förderung nötig hätten, denn die inneren Ressourcen (Innovationsgeist, Neugierde, Umsetzungskraft etc.) sind bei allen Menschen unerschöpflich, wenn man sie zu aktivieren weiß, und zwar unabhängig vom Geschlecht, der Hautfarbe oder der Religionszugehörigkeit. Ausschließlich die äußeren Ressourcen (Zeit, Geld, Netzwerk etc.) sind unterschiedlich verteilt.

Hierdurch ergibt sich eine wundervolle Diversität, aber auch einige Stolpersteine, welche sich zumeist in verfestigten Glaubenssätzen äußern.

Ich betrachtet es entsprechend als meine tägliche Aufgabe „Female Empowerment“ nicht als besondere Form der Frauenförderung zu betrachten, sondern als das was es ist: Eine Möglichkeit die Gleichstellung der Frau auf allen Ebenen zu unterstützen, und zwar mit jeglichen Mitteln, die mir gegeben sind.

Liebe Kinga, deine Arbeit als Female Empowerment- und Business-Coach ist für uns hier natürlich besonders interessant! Ich behaupte jetzt einfach mal, dass eine Selbstständigkeit auf der einen Seite wunderschön ist, und auf der anderen aber nicht immer ein Zuckerschlecken. Als Selbstständiger muss man sich mit vielerlei Herausforderungen auseinandersetzen, die einem manchmal ganz schön an die Substanz gehen können. Ich nenne jetzt hier mal nur einzelne Stichworte wie „Kundengewinnung“, „Verkaufsgespräche“ oder „das eigene Angebot präsentieren“. Aus meinen 1:1-Kundenarbeiten weiß ich, dass die meisten Selbstständigen besonders beim Thema Verkaufen Schwierigkeiten haben. Wie schätzt du diese Situation für selbstständige Frauen ein? Haben sie da alle vielleicht mit gewissen ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, die sie mit einigen Tipps von dir verbessern oder sogar beheben könnten, also z. B. „Schüchternheit“?  

Oh, da sprichst du ein ganz wichtiges Thema an, denn tatsächlich ist das einer der wesentlichen Punkte, neben dem Risikobewusstsein, mit welchem man sich im Rahmen der Selbstständigkeit auseinandersetzen sollte. 

Ich für meinen Teil mache tatsächlich keinerlei aktiven Vertrieb, wie man ihn sich „klassisch“ vorstellt („cold calls“, willkürliche Ansprache via Social Media, Flyer o. ä) denn mein Zauberwort lautet: „Personal Branding“.

Wer es schafft, eine so starke Positionierung aufzubauen, dass bei bestimmten Themen unmittelbar der eigene Name fällt, wird zum Anziehungspunkt für seine Kund*innen.

Ich liebe es beispielsweise zu schreiben und betreibe mittlerweile zwei Blogs (femalexperts.de/ kingabartczak.de/blog). Als nächstes wird noch ein Unternehmensblog sowie ein Podcast folgen und hier kommt auch mein zweiter Tipp, welcher mit dem Thema Personal Branding einhergeht: 

Spring nicht auf jeden Zug auf, vor allem, wenn du dich dabei nicht wohl fühlst. Manche haben Freude am Schreiben, andere sind lieber visuell (Instagram) oder auditiv (Podcast) unterwegs.

Man sollte herausfinden was einem liegt und vielleicht ab und an seine Komfortzone verlassen. Auch ich tue das mit dem Podcast, denn eigentlich hatte ich nicht gedacht, dass dieses Format etwas für mich wäre. 

Das Schöne ist ja: Wir haben die Kontrolle und wenn wir merken „Das ist nix“, dann können wir unsere Strategie jederzeit ändern.

Im Bereich Personal Branding geht es darum, welche Botschaft, welche Vision du nach außen tragen möchtest. Ich kann hier also an alle (angehenden) Unternehmerinnen nur den Tipp geben: Gestaltet euer Branding zielgerichtet und voller Leidenschaft, denn dann kommen die Kund*innen von selbst, weil sie spüren, dass du zu 100% authentisch bist und liebst was du tust.

Was du da sagst, liebe Kinga, finde ich ganz toll! Die Kunden auf sich zukommen zu lassen, das ist ein sehr wichtiger Tipp. Viele denken ja, sie müssten als Selbstständige auf allen verfügbaren Plattformen omnipräsent sein. Aber was dann passiert, ist vor allem eines: sie verlieren dadurch komplett ihren Fokus und ihren eigenen Weg. Also, dein Tipp lautet ja dann: erstmal innehalten und die eigene Positionierung besser herausarbeiten und präsentieren. Was würdest du sagen, gibt es typische Anzeichen dafür, dass sich meine Leserinnen hier vielleicht nochmal näher mit ihrer Positionierung beschäftigen sollten, weil diese noch zu unklar ist?  

Intuition und Zahlen würde ich spontan sagen. Manche Postings oder Gruppen scheinen zunächst nicht zu laufen, doch hier ist Beständigkeit gefragt und nicht das typische „hashing-for-likes“, denn an dieser Stelle vergessen wir oft die stillen Mitleser*innen.

Ich bekomme beispielsweise die meisten Anfragen und Nachrichten nicht auf meinem Blog, sondern über private Nachrichten.

Hier schreiben mir dann künftige Kundinnen, wie sie ihren Weg zu mir gefunden haben und welche Indikatoren letztlich zu der Entscheidung einer Buchung geführt haben.

Nichtsdestotrotz gilt es stets, selbsreflektiert auf die Zahlen in den gängigen Analyse-Tools zu schauen und sich zu fragen: Wenn ich meine Kundin wäre, wonach würde ich suchen (Keyword), welche Kontaktmöglichkeit würde ich in Anspruch nehmen (Termintool) oder welche „Anziehungspunkte“ (Blog, Podcast, Videos, Homepage etc.) wurden geschaffen, die ihren Bedürfnissen entsprechen, sodass sie davon ausgehen kann, zielgerichtete Unterstützung bei ihren Themen zu erhalten?

Wo es früher noch gereicht hat, ein paar Visitenkarten auf Netzwerkveranstaltungen dazulassen, kommt man heute an Marketing, SEO, SEA und Keywordanalysen nicht mehr vorbei.

Doch Personal Branding ist noch viel mehr. Hier ist eine gewisse Kunstfertigkeit im Hinblick auf das Storytelling gefragt, denn niemand bucht eine Person ohne Charakter oder Geschichte.

Man schafft einen Identifikationsfaktor und dieser zieht die richtigen Kunden/Kundinnen an.

Natürlich muss dieser authentisch sein, alles andere werden deine Kunden/Kundinnen umgehend merken und du verlierst deine Glaubwürdigkeit. Entsprechend ergänze ich noch: Wenn du deiner Intuition folgst, faktenbasierte Analysen deiner Marketingtools durchführst und den Grad deiner Authentizität stets so hoch wie möglich hältst.

Funktionieren deine Maßnahmen nicht, liegt es meisten an einem oder mehreren dieser Faktoren.

Super, da sprichst du wieder was ganz Wichtiges an, in meinen Augen: „Niemand bucht eine Person ohne Charakter oder Geschichte.“ Viele selbstständige Frauen tun sich aus meiner Erfahrung schwer damit, ihren Charakter oder ihre Geschichte zu zeigen. Sie vergleichen sich viel mit anderen und verlieren dadurch manchmal den Mut, sich so zu zeigen, wie sie sind und darauf stolz zu sein. Hast du zum Abschluss heute noch einen Rat für meine Leserinnen, wie sie in 3 einfachen Schritten ihren Charakter und ihre Geschichte besser in ihre eigene Positionierung mit einbringen können?

Der erste Schritt wäre immer sich zu verschriftlichen, welche Teile der eigenen Geschichte man selbst preisgeben möchte und was man damit bezweckt. 

Möchte man Zuspruch? Identifikation? Vielleicht sogar eine Diskussion?

Frage dich einfach selbst: Was möchte ich selbst über mich lesen, was dürfen andere von mir erfahren? Welchen Mehrwert schaffe ich für andere, wenn ich sie an diesem Ausschnitt meiner Geschichte teilhaben lasse?

Der zweite Schritt klingt ein wenig simpel, hilft allerdings, um mit dem Thema etwas lockerer umzugehen: Führe dir vor Augen, dass die Welt sich morgen weiterhin dreht, egal welche Entscheidung du heute triffst, welchen Post du machst oder welche Resonanz von anderen du erfährst.

Wir nehmen uns manchmal viel zu wichtig, dabei gibt es die perfekte Positionierung gar nicht.

Entweder das ist authentisch oder eben nicht – eine einfache Entscheidung, die wir jeden Tag aufs Neue treffen können.

In der Regel ist nichts unumkehrbar, selbst wenn du dich bei deinem Personal Branding mal verrennst.

Die Menschen sind vergesslicher als wir meinen und selbst wenn nicht: Das Schöne am Menschsein ist doch, dass wir uns jeden Tag entscheiden dürfen, uns zu verändern. 

Der dritte und letzte Schritt braucht etwas Zeit: Deine Positionierung ist nichts, was du an einem Tag erreichst.

Solltest du für dich herausgefunden haben, was deine Werte sind, für welche Themen du bekannt sein möchtest und welche Teile deiner Geschichte du veröffentlichen willst (Schritt 1) , probierst du dich aus und schaust, welche Plattformen für dich die richtigen sind.

Im besten Fall machst du dies nicht verkrampft, sondern mit einer gewissen Gelassenheit, auch mit der Gefahr, mal anzuecken oder danebenzuliegen und daraus zu lernen (Schritt 2).

Letztlich brauchst du vor allem eines: Beständigkeit!

Es nützt nichts, 5 Blogartikel zu schreiben und dann nie wieder etwas von dir hören zu lassen.

Entscheidungen zu treffen, ist eine wesentliche Kompetenz aller Entrepreneur*innen, also gebrauche diese: Nutze die Plattform die du persönlich spannend findest, suche dir eine Form der Kommunikation (Video, Blog, Podcast, Bild etc.) und tue es dauerhaft – nicht weil du es tun musst, sondern weil du dafür brennst und dich bewusst für diesen Weg entschieden hast.

Ich verspreche dir – bist du beständig und lernst du dazu, wirst du früher oder später gesehen!

Über Kinga Bartczak

Kinga Bartczak_Unternehmerrebellen

Kinga Bartczak ist Geschäftsführerin der UnternehmerRebellen GmbH, Trainerin, Keynote-Speakerin und Business-Bloggerin. Als Female Empowerment & Business Coach unterstützt sie Fach- und Führungsfrauen sowie (angehende) Unternehmerinnen auf ihrem Weg zum beruflichen und unternehmerischen Erfolg.

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