Texter-Honorar ist ein beliebtes Suchwort auf Google. Die Suchergebnisse sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Honorarempfehlungen wie die des Fachverbandes Freier Werbetexter grenzen das Mögliche zwar ein, sind aber am Ende doch nur Empfehlungen. Doch wodurch entsteht diese Unsicherheit über die Angemessenheit eines Texter-Honorars?

Dienstleister im Allgemeinen und Texter im Speziellen müssen oft mit ihren Kunden um das Honorar verhandeln. Manchmal geht es dabei zu wie auf einem türkischen Bazar: der Preis muss gedrückt werden. Warum Sie sich aber dann nicht wundern müssen, wenn das Ergebnis des Textes enttäuschend ist, erkläre ich Ihnen heute.

„Texter“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung, wie zum Beispiel Polizist oder Schriftsetzer oder Bibliothekar. Diesen ist gemeinsam, dass sie eine Ausbildung und eventuell einen Hochschulabschluss voraussetzen. Texter kann sich aber auch Nachbars Lumpi nennen, wenn er lustig ist, denn es gibt nicht die Ausbildung zum Texter. In den letzten Jahren wurden zwar immer mehr Ausbildungsstätten für die nächste Texter-Generation eröffnet, wie die Hamburger Texter Schmiede oder dem Text-College in München, doch nur ein Bruchteil der zukünftigen Texter kann oder will sich dort ausbilden lassen.

Also schwirren eine Menge kleiner, freier, mehr oder weniger fleißiger Texter-Bienchen mit den verschiedensten Ausbildungen und Abschlüssen über den Markt, die alle die süßeste Blume mit dem meisten Nektar finden wollen. Die Werdegänge und Berufe sind unterschiedlich wie Tag und Nacht und reichen vom VWL-Absolventen über den Metzger-Lehrling bis zum Journalisten. Einzige Voraussetzung: ein Quäntchen Texter-Talent und Kenntnisse der deutschen Rechtschreibung und Grammatik.

So groß die Palette an Biografien ist – die Honorare sind noch wilder. Da bieten einige ihre Schreib-Dienstleistung schon ab 20 € die Stunde an, andere verlangen weit mehr über 100 €.

Doch was ist angemessen?

Antwort: Das müssen Sie selber wissen!

Wie viel Geld sind Sie zu zahlen bereit, um eine Text-Qualität zu erhalten, die Sie erwarten?


 

Natürlich lasse ich Sie damit nicht im Regen stehen und ich lege Ihnen heute dar, wie viel Arbeit sich eigentlich hinter einem, vermeintlich lapidaren, Text verbirgt.

In vielen kleinen Schritten zum Text

Ein Texter muss kreativ sein. Er wird von seinen Kunden gebucht, um Ideen zu liefern. Ideen, die später zu Text werden, die aber auch eine Bildidee und das Konzept umfassen können. Neben all der Kreativität muss ein Texter aber auch bodenständig denken und mindestens zur Hälfte auch ein Kaufmann sein. Ein Kaufmann berechnet seinen Kunden die Arbeit, die er getan hat. Nicht mehr und nicht weniger – vor allem nicht weniger!

Ruft der Kunde also den Texter an und stellt ihm eine Anfrage. Der macht sich eifrig daran, das Angebot zu erstellen. Er kalkuliert, rechnet und prüft. Zwischendurch wirft er vielleicht den einen oder anderen Blick in die Honorartabellen. Ach, und ein kleiner Kennenlern-Rabatt ist auch noch drin, er will den Kunden ja unbedingt gewinnen.film Wonder Woman

Gespannt und aufgeregt stellt der Texter sein Angebot dem Kunden vor – und erhält die entsetzte Antwort: „Nee, das ist mir viel zu teuer!“ oder „Tut mir leid, aber das ist wirklich nicht im Budget drin“. Auf schriftlich versendete Angebote folgt Schweigen.

Der Texter grämt und quält sich mit der Frage, was er falsch gemacht hat. War der Preis doch schon sehr kulant angesetzt und ein kleiner Rabatt war auch dabei. Was ist schief gelaufen? Wieso hat er den Kunden verloren, bevor er ihn überhaupt hatte?

Antwort: Der Kunde weiß nicht, was für eine Arbeit sich hinter den Zahlen versteckt.

Ein Text wird nicht am Stück niedergeschrieben und fertig ist der Auftrag. Sondern bis ein Text steht, sind viele kleine Schritte notwendig, die alle Zeit kosten und bezahlt werden müssen. Angefangen bei Anfahrtskosten, endlosen Meetings, Telefongesprächen bis hin zu tausendfachem Korrekturlesen. Manchmal können es bis zu 28 Arbeitsschritten sein, bis ein Text steht:

1. Beratung

Der Kunde ruft an und bestellt eine Broschüre. Nach gründlichem Gespräch und Nachfragen findet der Texter heraus, dass der Kunde eigentlich ein Recruiting-Problem hat und empfiehlt ihm eine Social-Media-Kampagne mit Erklärvideo.

2. Briefing

Weil Briefings meist unzureichend sind, muss der Texter dem Kunden jede Information mühsam entlocken (siehe dazu meinen Texter-Tipp „Warum erfolgreiche Texte von der Qualität Ihres Briefings abhängig sind“). Das kostet Zeit.

3. Recherche, Einlesen, Sammeln

Fragt der Texter nach Informationsmaterial, bekommt er meistens einen Haufen alter Broschüren und Flyer auf den Tisch geknallt und der Kunde lächelt: „Da steht alles drin.“ Noch Fragen? Ja!

4. Konkurrenzanalyse

Zur Recherche zählt auch eine Konkurrenzanalyse. Der Texter muss in die Branche eintauchen, er muss sie verstehen, er muss verstehen, wie die Mitbewerber kommunizieren. Erst dann hat er das Wissen, um damit zu arbeiten.

5. Recherche

Nach der Recherche zum Produkt oder Unternehmen muss der Texter erneut recherchieren. Er muss sich für die Aufgabe schlau machen und nach Möglichkeiten und Ideen zur Umsetzung suchen.

6. Basismaterialbeschaffung

Hat der Texter die alten Broschüren und Flyer gelesen, muss er sich wieder auf die Suche machen, denn bisher hat er nur spärliche Informationen mit einem großen Rechercheaufwand zusammengetragen. Hat er sich genug Material beschafft, sichtet er, ordnet, liest sich ein, recherchiert weiter, informiert sich tiergehender, macht er sich mit Produkt oder Unternehmen vertraut.

7. Planung

Was ist wann mit wem, wo und wie zu tun? Bevor die Textarbeit beginnt, muss auch das geklärt werden. Ein weiterer Schritt, der Zeit und Besprechungen einfordert.

Übrigens: der Texter hat noch nicht mit dem eigentlichen Text begonnen!

8. Konzeption und Idee

Dem Mythos entgegen, spritzt den wenigsten Textern die gesuchte Idee einfach unter der Dusche mit dem Wasser in’s Gesicht. Eine Idee zu finden erfordert Zeit. Nicht zuletzt, wenn man sich diese mit einer der zahlreichen Kreativitätstechniken erarbeiten muss.

Erst jetzt legt der Texter Inhalt, Gliederung und Ablauf des Textes fest – aber er hat noch nicht angefangen zu schreiben! Wann er sich an die eigentliche Textarbeit macht und wie viel er noch vor- und nachbereiten muss, lesen Sie nächste Woche in Teil 2 meines Blogbeitrags zum Texter-Honorar: „Nee, das ist mir zu teuer! Warum Sie aus einem Esel kein Rennpferd machen können“.

Wollen Sie mehr über dieses Thema erfahren oder eine professionelle Texterstellung bei mir in Auftrag geben? Dann kontaktieren Sie mich, ich freue mich darauf!
Showing 2 comments
  • Jana Diebold

    Da haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen Herr Strunz! Schön formuliert. Wenn doch nur alle so denken würden wie Sie! Der Texter würde bald in Gold schwimmen wie die glückliche Ente Dagobert Duck 🙂

  • Strunz Richard

    Unwidersprochen ist der Tierschutz,
    Unvollkommen der Menschenschutz,
    Schutzlos ist die Sprache allen Verhunzern preisgegeben,
    Wohl dem , der ihre Qualität hochhält.
    Sprache ist ein schützenswertes Kulturgut,
    Qualität hat ihren Preis!

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